ARD-Doku: Das Schicksal der Elisabeth Käsemann

Was geschah mit Elisabeth K.? Das Schicksal der Elisabeth Käsemann

Ein Dokumentarfilm von Eric Friedler

heute, Donnerstag, 5. Juni 2014 | 22:45 im Ersten 

Der Hintergrund zum Fall Elisabeth Käsemann:

Elisabeth Käsemann ARD/NDR DAS MÄDCHEN, "Was geschah mit Elisabeth K.?", am Donnerstag (05.06.14) um 22:45 Uhr im Ersten ©NDR

Elisabeth Käsemann ARD/NDR DAS MÄDCHEN, „Was geschah mit Elisabeth K.?“, am Donnerstag (05.06.14) um 22:45 Uhr im Ersten ©NDR

Update: Auch wenn Geschehnisse schon viele Jahrzehnte Vergangenheit sind, so ist es gut und richtig, dass einige Menschen und ihr Schicksal nicht dem Vergessen anheim fallen. Elisabeth Käsemann ist so ein Mensch. Sie hat sich für die ärmsten der Armen engagiert und dafür mit ihrem Leben bezahlt. Dieser Film erinnert an sie und dokumentiert, was damals geschah.

Elisabeth Käsemann wurde am 11. Mai 1947 in Gelsenkirchen geboren und wurde am 24. Mai 1977 in Monte Grande, Argentinien ermordert. Sie ist eines der bekanntesten deutschen Opfer der argentinischen Militärdiktatur in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts. Elisabeth Käsemann arbeitete als Sozialarbeiterin in den Armenvierteln der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires. Sie führt ein Leben, für das sie Deutschland bewusst verlassen hatte. In der Logik der herrschenden Militärs macht sie Engagement für die Armen verdächtig, in Opposition zu damaligen argentinischen Regierung, einer Militärjunta, die sich an die Macht geputscht hat, zu stehen.
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Elisabeth Käsemann wurde – wie Zehntausende weitere Opfer der argentinischen Diktatur – als Regimegegnerin und „Subversive Person“ 1977 von Angehörigen argentinischer Sicherheitskräfte verhaftet und in ein Geheimgefängnis verschleppt. Dort wurde sie gefangengehalten und schwer gefoltert. In der Nacht auf den 24. Mai 1977 wurde sie abgeführt. Die Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth stellte im Jahr 2003 fest: „Elisabeth Käsemann wurde mit angelegten Handschellen und einer Kapuze über dem Kopf in den Ort Monte Grande bei Buenos Aires transportiert und dort unter Ausnutzung ihrer Arg- und Wehrlosigkeit durch Schüsse in Genick und Rücken aus unmittelbarer Nähe getötet“.
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Deutschen Behörden, der deutschen Botschaft in Argentinien,der damaligen Bundesregierung unter Bundeskanzler Helmut Schmidt und Außenminister Hans Dietrich Genscher wurde vorgeworfen, sich zu wenig für Elisabeth Käsemanns Freilassung und die anderer zu der Zeit in Argentinien verschwundener Deutscher, eingesetzt zu haben.
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Inhalt des Films über Elisabeth Käsemann:

Argentinien, 1977. Das Land wird von einer Militärdiktatur unterdrückt. Regimekritiker werden zu Tausenden verschleppt, gefoltert, getötet. Auch die in der Hauptstadt Buenos Aires lebende deutsche Studentin Elisabeth Käsemann verschwindet im März unter mysteriösen Umständen. Die alarmierten Eltern wenden sich vergeblich an das Auswärtige Amt. Die westdeutsche Regierung unter Helmut Schmidt sieht, ein Jahr vor der Fußball-WM in Argentinien, beim Ausrichter und wichtigen Wirtschaftspartner von jeglicher Intervention ab. Auch der Deutsche Fußballbund verschenkt die Chance, die junge Frau zu retten. Obwohl der Fall seit April in deutschen Medien bekannt ist, reist die Elf im Mai 1977 nach Argentinien. Da erreicht eine dramatische Nachricht die deutsche Botschaft …

Erstmals äußern sich mit dem Fall Elisabeth Käsemann befasste Politiker wie die damaligen Staatsminister Hildegard Hamm-Brücher und Klaus von Dohnanyi, Sportler wie Karl-Heinz Rummenigge, Paul Breitner oder Sepp Maier sowie Überlebende und Zeitzeugen des Terrorregimes zu den Geschehnissen. Warum weist die deutsche Regierung bis heute jede Verantwortung zurück? Und: Wie unpolitisch darf Sport sein? Vor dem Hintergrund der Fußball-WM in Brasilien und den Olympischen Winterspielen in Sotchi stellt der neue Dokumentarfilm des mehrfachen Grimmepreisträgers Eric Friedler über Elisabeth Käsemann Fragen von beklemmender Brisanz.