WM: Béla Réthy macht Videobeweis überflüssig

Béla Réthy interpretiert WM Eröffnungsspiel auf seine Art

Auch diesmal wieder dabei: der bei Fans nicht unumstrittene Béla Réthy ©ZDF/Jürgen Detmers

Auch diesmal wieder dabei: der bei Fans nicht unumstrittene Béla Réthy
©ZDF/Jürgen Detmers

Béla Réthy, der unfreiwillige Komödiant unter den Kommentatoren, durfte das WM Eröffnungsspiel mit seinem Sachverstand begleiten. Wer anders als er, der als Kind lange in Brasilien lebte (wie inzwischen wohl ein jeder der es nie wissen wollte weiß) wäre geeigneter gewesen, eine Weltmeisterschaft als Kommentator zu eröffnen? Die Antwort fällt leicht: jeder andere. Aber dann würden den Zuschauern doch diese unglaublichen Momente verloren gehen, in denen alle Fans vor den Fernsehschirmen einhellig etwas anderes sehen als Béla Réthy, der Mann mit dem meisterlich allermeist falschen Blick. 

Ja, es war ein denkwürdiges Eröffnungsspiel, das Match des Gastgebers Brasilien gegen die Elf aus Kroatien, die vom japanischen Schiedsrichter souverän besiegt wurde. Dazu benötigte der Mann aus Nippon nur einige wenige entscheidende Momente – vor allem den, als er für die unverschämte Schwalbe des Brasilianers Fred einen lächerlichen Elfmeter für Brasilien pfiff. Das immerhin hatte auch Béla Réthy richtig erkannt, wenn auch nicht sofort. Ansonsten zeigte die ZDF-Kommentatoren – Wunderwaffe die altbekannte Fußball-Sehschwäche: keine einzige wichtige Szene sah er richtig. 

Wer Béla Réthy hat, braucht keinen Videobeweis: einfach auf das hören was er sagt, das Gegenteil stimmt dann

Béla Réthy hat eine besondere Eigenart, die ihn von fast allen anderen Kommentatoren unterscheidet. Er sieht wichtige Spielszenen fast ausnahmslos falsch, hat er sich aber einmal entschieden, bleibt er konsequent bei seiner Fehleinschätzung, selbst wenn in der Superzeitlupe ganz klar das Gegenteil zu sehen ist, gern auch dreimal hintereinander. Das funktioniert wie nach einem imaginären Drehbuch, das in etwa so aussieht:  Béla Réthy: „Das war ein Foul“ – (Wiederholung der Szene, für den Zuschauer wird erkennbar: kein Foul.) Béla Réthy „Ja, ein klares Foul“ – (Erneute Wiederholung der Szene in starker Verlangsamung, auch der letzte Zuschauer kann sehen, dass zwischen den Spielern keine Berührung stattfand) , Béla Réthy „Jetzt sieht man es deutlich – Foul“

Béla Réthy: „Die Brasilianer fassen sich schon im Spielertunnel gegenseitig an“

Diese Fähigkeit zur vollständigen und immer wiederkehrenden falschen Sicht und Interpretation von Szenen macht Béla Réthy einzigartig unter den Kommentatoren. Allerdings mischt er diese Begabung mit dem Talent, seltsame Sprüche auf Weltniveau rauszuhauen, in jedem Spiel wenigstens einen. Beim Eröffnungsspiel fielen dem Spaßvogel Béla Réthy die Brasilianer zum Opfer, die sich beim Einlaufen gegenseitig die Hände auf die Schulter legten. Diese Szene, die wohl den besonderen Teamgeist der Seleção nach außen zeigen sollte, kommentierte Béla Réthy mit dem wunderbaren Satz „Die Brasilianer fassen sich schon im Spielertunnel gegenseitig an“. 

Da Eröffnungsspiele bei vergangenen Weltmeisterschaften meist ausgesprochen fade Fußballspiele waren, wusste man sofort, warum ausgerechnet Béla Réthy die Ehre zuteil wurde, dieses Spiel zu kommentieren: mit ihm hat der Zuschauer immer was zu lachen. Meist allerdings auch über ihn.