Deutschland im Dämmwahn: Styropor

Deutschland im Dämmwahn: Styropor

Doku am Sonntag, 03. August um 14.45 im ZDF

Der Teufel lauert im Detail: Insbesondere an Fenstern und Türen müssen die Platten millimetergenau angepasst werden. Sonst können sich dort Wärmebrücken bilden. Die Folge: Feuchte und Schimmel im Innenraum. ©ZDF und Thomas Hies

Der Teufel lauert im Detail: Insbesondere an Fenstern und Türen müssen die Platten millimetergenau angepasst werden. Sonst können sich dort Wärmebrücken bilden. Die Folge: Feuchte und Schimmel im Innenraum.
©ZDF und Thomas Hies

ZDF-Umweltdokureihe „planet e.“ geht dem Dämmwahn nach 25 bis 40 Prozent der Heizwärme gehen durch die Hauswände verloren. Um diesen Energieverlust einzugrenzen, werden jährlich 30 Millionen Quadratmeter Fassaden mit Styropor verpackt. Doch der Dämmstoff spaltet die Meinungen:

Unter dem Titel „Deutschland im Dämmwahn“ beleuchten Daniela Hoyer und Thomas Hies am Sonntag, 3. August 2014, 14.45 Uhr, die Kontroverse um das Material. Gebäude sollen künftig weniger Energie verbrauchen. Das wurde in der im Mai 2014 in Kraft getretenen Energiesparverordnung beschlossen.

Um den Energieverlust einzugrenzen, werden viele Fassaden mit Styropor verpackt, weil das vergleichsweise günstige Material gute Dämmeigenschaften hat. Für die einen ist Styropor ein Billigmaterial aus Erdöl, das irgendwann als Sondermüll entsorgt werden muss, für die anderen ein unverzichtbarer Beitrag zur Klimarettung und eine kostengünstige Möglichkeit, Energie zu sparen.

„planet e.“ begleitet den Frankfurter Architekten Stefan Forster, der für ein aktuelles Bauprojekt Styropor als Dämmmittel benutzt. Doch nach einigen Jahren Erfahrung mit dem Dämmmaterial zweifelt Forster inzwischen daran, ob die Kunststoff-Verpackung für Bauten nachhaltig und ökologisch vernünftig ist.

Geschichte des Styropor

Wärmedämmverbundsysteme aus Styropor sind der beliebteste Dämmstoff in Deutschland. Im Jahr 2012 wurden rund 40 Millionen Quadratmeter Fassadenfläche mit dem Material beklebt. Recyceln lässt es sich bisher nicht. ©ZDF und Thomas Hies

Wärmedämmverbundsysteme aus Styropor sind der beliebteste Dämmstoff in Deutschland. Im Jahr 2012 wurden rund 40 Millionen Quadratmeter Fassadenfläche mit dem Material beklebt. Recyceln lässt es sich bisher nicht.
©ZDF und Thomas Hies

Bereits 1839 beobachtete der Apotheker Eduard Simon in Berlin, dass Styrol über mehrere Monate zu einer gallertartigen dickflüssigen Masse verdickt. Sechs Jahre später berichteten John Blyth und August Wilhelm von Hofmann, dass die Umwandlung ohne Auf- oder Abgabe irgendeines Elementes geschehe und lediglich durch die molekulare Veränderung des Styrols erfolge.

Die Bezeichnung „Polystyrol“ wurde erstmals von Abraham Kronstein benutzt, der darunter allerdings ein gelartiges Zwischenprodukt verstand, das dann mit Styrol das glasartige „Metastyrol“ bilden sollte. 1931 wurde im „I.G. Farben“-Werk in Ludwigshafen mit der technischen Herstellung von Polystyrol begonnen. Die Verwendung als Schaumkunststoff Styropor wurde 1949 von Fritz Stastny und seinem Chef Rudolf Gäth bei der BASF entwickelt, 1950 zum Patent angemeldet und 1952 auf der Kunststoffmesse in Düsseldorf vorgestellt.