Ein Fall für Zwei – Serienkritik zum ZDF-Remake

Ein Fall für zwei – Neuauflage mit Wanja Mues und Antoine Monot Jr. in den Hauptrollen

Vier Folgen, ab 09. Mai, immer freitags, 20.15 Uhr

Das neue Team: Privatermittler Leo Oswald (Wanja Mues, r.) und Rechtsanwalt Benni Hornberg (Antoine Monot, Jr.) ZDF / Johannes Krieg

Das neue Team: Privatermittler Leo Oswald (Wanja Mues, r.) und Rechtsanwalt Benni Hornberg (Antoine Monot, Jr.) ©ZDF / Johannes Krieg

Ok… Das ZDF recycelt also eine Serie, die ganz tief in der Steinzeit der deutschen TV-Unterhaltung wurzelt – Ein Fall für zwei. Da denkt man zuerst an Claus Theo Gärtner als den Matula und natürlich an den großartigen Günther Strack (der Unterhaltungsgott habe ihn selig!) als Anwalt Dr. Renz. Das mochte man gerne schauen, wie man einfach alles mit Strack gerne sah. Seltsam, trotz 300 Episoden seit 1981 und der Tatsache, dass Günther Strack nur in den ersten 60 Folgen mitwirkte, ist die kollektive Erinnerung an die Serie fest mit ihm verbunden – und mit dem ewigen Matula, natürlich. Wie soll man das bitteschön neu auflegen? Wer soll dem Vergleich standhalten? Die Darsteller Wanja Mues als zorniger Privatdetektiv mit düsterer Vergangenheit und Antoine Monot jr. (der „Tech Nick“ aus der mäßig komischen Saturn-Werbung) als trottelig-liebenswerter Anwalt versuchen es – und das Ergebnis ist, ja, sehr überraschend: die Serie ist wirklich unterhaltsam, visuell sehr gut gemacht, ausgesprochen lustig und somit (fast) rundum gelungen. 

Die Story von Ein Fall für zwei

Die beiden Protagonisten sind Jugendfreunde, trennten sich aber vor 20 Jahren, die Gründe werden im Laufe der Serie, die zunächst auf vier Folgen ausgelegt ist, erhellt. Leo Oswald war lange in Südamerika und dort in dunkle Geschäfte verstrickt, zurück in Deutschland kommt er unter Mordverdacht in U-Haft und sein alter Kumpel Benni Hornberg, ein eher trottelig wirkender Anwalt für Versicherungsrecht, soll ihn raushauen. Der sitzt in einem Leben fest, das er so nie wollte, als unbedeutender kleiner Anwalt in der Kanzlei seines reichen Schwiegervaters, dessen neuer, schmieriger Kompagnon (großartig: Jürgen Tarrach) mehr mit der ganzen Angelegenheit zu tun hat als er zugeben möchte.  

Die Hauptrollen:

Ein Mann fürs Grobe: Leo Oswald (Wanja Mues) ermittelt in der Halbwelt Frankfurts. ©ZDF/Andrea Enderlein

Ein Mann fürs Grobe: Leo Oswald (Wanja Mues) ermittelt in der Halbwelt Frankfurts. ©ZDF/Andrea Enderlein

Wanja Mues spielt in Ein Fall für zwei den gebrochenen Helden Leo Oswald überzeugend. Sein Detektiv ist cool, abgebrüht, hart und undurchsichtig. Der Zuschauer weiß nie so recht, ob man ihm wirklich trauen kann. Es ist für einen Darsteller nicht einfach, eine Rolle zu übernehmen, die erkennbar an Matula angelehnt ist und es doch ganz anders zu machen. Dieses Kunststück gelingt dem Hamburger Schauspieler Wanja Mues sogar scheinbar mühelos. Man vermisst Matula keine Sekunde, dieser Oswald ist irgendwie vielschichtiger, interessanter. Wanja Mues braucht mit seiner Präsenz als Held auf dem Bildschirm den Vergleich mit US-amerikanischen Serienschauspielern nicht zu scheuen (und das im ZDF – Wunder gibt es immer wieder!). Man sieht hier aber auch, dass deutsche Schauspieler es sehr wohl können – wenn man sie denn lässt und sie entsprechend inszeniert. Das Zeug zum Liebling der Zuschauerinnen hat er übrigens auch…

 Das Leben von Anwalt Benni Hornberg (Antoine Monot, Jr.) lief bisher in geordneten und bürgerlichen Bahnen. Bis es durch einen Anruf unvermittelt aus den Fugen gerät.   ©ZDF/Andrea Enderlein


Das Leben von Anwalt Benni Hornberg (Antoine Monot, Jr.) lief bisher in geordneten und bürgerlichen Bahnen. Bis es durch einen Anruf unvermittelt aus den Fugen gerät. ©ZDF/Andrea Enderlein

Auf Antoine Monot Jr. hat die deutsche Serienwelt gewartet. Sein Benni Hornberg, der Anwalt für Versicherungsrecht, der eigentlich lieber die Welt retten würde (wenigstens ein bißchen), der trotzdem S-Klasse fährt (die Sendung wird schließlich von Daimler „mit Produkten unterstützt“), aber zu Mandanten seines Schwiegervaters sagt „der Vertrag ist fertig, gearscht sind die anderen“ – ja, der ist einfach grandios. Deutsche Schauspieler können nicht lustig? Von wegen! Monot Jr. spielt so akzentuiert komisch, wie man es seit Heinz Erhardts Zeiten nur noch selten gesehen hat. Zurückgenommen, präzise, auf den Punkt, jeder Gag, jede emotionale Szene sitzt. Das ist ganz große Schauspielkunst, die dem Zuschauer hier geboten wird. Das kann man gar nicht ausführlich genug betonen und entsprechend loben. Schon alleine Monots Jr. wegen lohnt es sich, die Serie anzuschauen. Antoine Monot Jr. beim Vorlesen des „Großen Gatsby“ zuzusehen (Andy Kaufman-Fans wissen, was gemeint ist) wäre unterhaltsamer als ein TV-Abend mit Pocher, Barth oder Konsorten. 

Inszenierung und Buch von Ein Fall für zwei

Hoppla, was ist denn da passiert? Deutsche TV-Krimis kommen im 21. Jahrhundert an? Moderne Bilder und Schnitte, aktuelle Visualisierung, wunderbare Farben, Frankfurt wirkt wie eine moderne Großstadt – geht das? Ja, es geht. Die Regisseure Marcus Ulbricht und Andreas Herzog zeigen es. ODEON TV, Produzent von Ein Fall für zwei im Auftrag des ZDF, zeigt beispielhaft wie deutsche Serien aussehen müssen. Nur sollte man dem Zuschauer bitte keine solchen „Haftprüfungstermine“ (mit Gudrun Landgrebe in einer kleinen Nebenrolle als Richterin) wie in der Pilotfolge zumuten – (selbst Realschüler in Klassenstufe 8 dürften wissen, dass es so wie dort gezeigt niemals in deutschen Gerichten zugeht) – und den Zuschauer einfach mal für ein wenig klüger halten, auch wenn es den Autoren offenbar sehr schwer fällt.

Fazit des Remakes von Ein Fall für zwei

Von ein paar verkraftbaren Schwächen im Buch abgesehen (vielleicht wären Episoden über 90 Minuten den Storys besser gerecht geworden, so hätte man manchen Faden logisch besser auserzählen können) ist die neue Reihe Ein Fall für zwei absolut sehenswert. Das ist vor allem den beiden Hauptdarstellern und ihrem wunderbaren Spiel, auch miteinander, geschuldet, aber auch der vortrefflichen Inszenierung und dem Szenenbild (verantwortlich hierfür waren Andrea Schlachter, Jutta Freyer und Fritz Günthner). Ganz klarer Rat an den Serienfan: unbedingt anschauen. Hoffentlich entschließt sich das ZDF nach den vier vorliegenden Folgen zum Weitermachen, Leo Oswald und Benni Hornberg verdienen mehr Fälle auf diesem Serien-Niveau.

Schreibe einen Kommentar