Erster Weltkrieg: Die verlorenen Söhne

Erster Weltkrieg: Die Suche nach den verlorenen Söhnen

100 Jahre Erster Weltkrieg – Dienstag, 26. August 2014, 20.15 Uhr im ZDF

Erster Weltkrieg: Soldaten des Infanterie-Regiments 56 vor dem Abrücken in die vorderste Linie der Stellungen bei La Bassée - wie viele von ihnen kehrten wohl heim? ©ZDF und Johannes Hebing / Stadtarchiv Kleve

Erster Weltkrieg: Soldaten des Infanterie-Regiments 56 vor dem Abrücken in die vorderste Linie der Stellungen bei La Bassée – wie viele von ihnen kehrten wohl heim?
©ZDF und Johannes Hebing / Stadtarchiv Kleve

Erster Weltkrieg von 1914-18: Der Bauer Hermann Kortüm hat gerade erst geheiratet, als er 1914 in den Krieg ziehen muss. Fortan schreibt er seiner Frau fast jeden Tag – seine Briefe geben Einblicke in die Gedanken und Gefühle eines einfachen Soldaten. Der Bauer Herrmann Kortüm war gerade frisch verheiratet, seine Frau schwanger, als der Erste Weltkrieg 1914 begann, in den er ziehen musste. Im Bauernhof Kortüms, in dem Anja Möllmann mit ihren Eltern noch heute wohnt, hat sie ein Foto des jungen Paares gefunden. Frau Kortüm trägt ihr Hochzeitskleid, schwarz, wie es damals auf dem Land üblich war.

Der Erste Weltkrieg begann und nachhause schreibt Herrmann Kortüm Sätze wie diesen, die auf wenig Kriegsbegeisterung schließen lassen: „In diesem Krieg haben so viele Millionen Abschied nehmen müssen von ihren Liebsten. Wie viele werden nicht wieder kehren, wer wird sie alle zählen? Ich kann Euch das jetzt schon sagen, dass es nach dem Krieg noch Elend und Jammern gibt in unserem deutschen Vaterland“

Es sind Fundstücke wie diese, die am Anfang der filmischen Erkundungsreise stehen, bei der sich die Autoren auf eine bewegende Spurensuche begeben: 100 Jahre nach Beginn des Ersten Weltkriegs spürt die Dokumentation Etappe für Etappe dem Schicksal junger Menschen nach, die 1914 bis 1918 das Grauen der Schlachtfelder erleben und von denen viele nicht zurückkehren. Entscheidende Momente ihres Weges entlang der Front im Westen werden szenisch rekonstruiert und in das historische Geschehen zum Thema Erster Weltkrieg eingebettet. 

Erster Weltkrieg: Der Brief nachhause - viele schrieben fast täglich, denn Lebenszeichen von der Front waren wichtig für Angehörigen. Ein Glasplattenfoto aus dem Stadtarchiv Wesel. ©ZDF und Johannes Hebing / Stadtarchiv Kleve

Erster Weltkrieg: Der Brief nachhause – viele schrieben fast täglich, denn Lebenszeichen von der Front waren wichtig für Angehörigen. Ein Glasplattenfoto aus dem Stadtarchiv Wesel.
©ZDF und Johannes Hebing / Stadtarchiv Kleve

Erster Weltkrieg, er begann vor 100 Jahren, die Dokumentation spürt dem Schicksal junger Menschen nach, die zwischen 1914 bis 1918 das Grauen der Schlachtfelder erleben und von denen viele nicht zurückkehren. Ausgangspunkt sind bewegende Funde auf einem Schlachtfeld im Elsass und die Entdeckung einer außergewöhnlichen Sammlung von Unterlagen über ein rheinisch-westfälisches Regiment, darunter hunderte von Glasplattenfotos. 

Erster Weltkrieg: Neben Briefen und persönlichen Unterlagen aus dem bietet ein besonderer Archivbestand die seltene Chance, den opferreichen Weg jener Kampfeinheit nachzuvollziehen, der auch Hermann Kortüm angehörte: Das deutsche Infanterie-Regiment Nr. 56 steht exemplarisch für über 300 andere vergleichbare Truppenverbände jener Zeit. Eine einmalige Sammlung von Unterlagen und hunderten Glasplattenfotos im Stadtarchiv der ehemals preußischen Garnisonsstadt Wesel wird zum Ausgangspunkt der Spurensuche – auch nach den „verlorenen Söhnen“ dieser Stadt. 

Einen besonders beklemmenden Fund machten Schlachtfeld-Archäologen an einer früheren Frontlinie im Elsass. Dort wurden bei Bauarbeiten die sterblichen Überreste von 21 deutschen Soldaten entdeckt, die am 18. März 1918 in einem Stellungssystem verschüttet worden waren. Der Film zeigt, wie französische Archäologen die Toten bergen, und die letzten Stunden der Soldaten werden rekonstruiert. Weitere Recherchen führen zu den Namen der Verschütteten. Nach fast 100 Jahren treffen die Autoren die Nachfahren, für die damit ein trauriges Kapitel ihrer Familienhistorie seinen Abschluss findet. 

In der Geschichte „von unten“ spiegeln sich die traumatischen Folgen jenes Epochenbruchs Erster Weltkrieg, die noch immer fortwirken.