Braquo-Premiere: Gespräch mit Stefan Schulz

Stefan Schulz: „Watchever ist für die Zukunft gut gerüstet“

Watchever Geschäftsführer Stefan Schulz begrüßt die Gäste zur Premiere von Braquo

Watchever Geschäftsführer Stefan Schulz begrüßt die Gäste zur Premiere von Braquo

Video on Demand boomt. Derzeit nutzen etwa eine Million deutsche User regelmäßig die verschiedenen legalen Streaming-Portale, in den kommenden zehn Jahren soll sich diese Zahl verzehnfachen. Watchever feierte vergangene Woche in Berlin die Premiere der französischen Polizeiserie Braquo, zu diesem Anlass traf sich der Serienhai mit Watchever – Geschäftsführer Stefan Schulz zu einem Gespräch über sein Unternehmen, die Wachstumsbranche Video on Demand und die Wettbewerber, die sich in diesem Feld tummeln, die aktuellen wie die möglicherweise noch kommenden.

Herr Schulz, Netflix soll angeblich für den kommenden Herbst seinen Deutschlandstart planen, Amazon kommt aktuell mit einem aggressiven Preisangebot auf den Markt und kombiniert sein VoD Angebot mit seinem Versandservice Prime. Was denken Sie darüber?

Zu Netflix: Ganz einfach, Wettbewerb belebt das Geschäft. Wir haben ein gutes Gespür für die Interessen und Wünsche unserer Kunden und sind gut aufgestellt, bei Serien wie bei unserem Filmangebot. Hinsichtlich Amazon muss man abwarten, ob es wirklich Sinn macht, ein Angebot in ein völlig anderes hinein zu packen, aber das müssen die Kollegen selbst am besten wissen.

Was interessiert den Nutzer mehr – Serien oder Filme?

Stefan Schulz ist Geschäftsführer von Watchever, einem Tochterunternehmen der französischen Unternehmensgruppe Vivendi. Schulz ist ein Pionier der digitalen Musik- und Unterhaltungsrechte und blickt auf eine 20jährige Managementkarriere in der Unterhaltungsindustrie. Von 2003 bis 2008 leitete er Universal Mobile als Deutschland-Geschäftsführer, danach war er Executive Vice President Central Eastern Europe von Vivendi Mobile Entertainment.

Stefan Schulz ist Geschäftsführer von Watchever, einem Tochterunternehmen der französischen Unternehmensgruppe Vivendi. Schulz ist ein Pionier der digitalen Musik- und Unterhaltungsrechte und blickt auf eine 20jährige Managementkarriere in der Unterhaltungsindustrie. Von 2003 bis 2008 leitete er Universal Mobile als Deutschland-Geschäftsführer, danach war er Executive Vice President Central Eastern Europe von Vivendi Mobile Entertainment.

Serien funktionieren immer. Ganze Staffeln einer Serie stehen zur Verfügung, so kann man mehrere Folgen hintereinander anschauen und muss keine Woche warten, wie es weitergeht und man verpasst nichts. Serien sind wichtig und waren am Anfang auch das Hauptkriterium für unsere Kunden, Watchever zu nutzen. Aber auch Filme vernachlässigen wir nicht, sie spielen eine ebenso wichtige Rolle in unserem Angebot. Filme und Serien werden derzeit etwa gleich häufig geschaut. Ein großes Augenmerk richten wir auf Dokumentationen und Dokuserien, auch Kinderprogramme spielen eine große Rolle, hier wird es bald noch Neuerungen bei Watchever geben.

Unter welchen Gesichtspunkten kaufen Sie neuen Content ein?

Unser Hauptaugenmerk ist die inhaltliche Qualität. Wir sichten ständig unzählige Serien und orientieren uns bei der Auswahl an deren Qualität und an den Interessen unserer Kunden. Dabei schauen wir auch nach Europa, nicht nur in die USA. So finden sich in unserem Angebot schwedische Serien wie „Real Humans“, ein echter Geheimtipp. Genau  nach so etwas halten wir Ausschau. Auch die oscarnominierten Dokumentationen „The Act of Killing“ und „Dirty Wars“ haben wir ganz aktuell ins Programm genommen, noch vor dem TV-Start.

Wollen Sie auch Serien selbst produzieren?

Watchever gehört zum größten Content-Produzenten Europas. Wie „Studio Canal“ gehören wir zum französischen Medienkonzern Vivendi. Das ermöglicht uns den Zugriff auf hochwertige Produktionen, so wie aktuell die Serie Braquo, die wir in Deutschland exklusiv als Video on Demand Premiere anbieten können, so wie zuvor übrigens schon die Serie „The Returned“, ebenfalls aus Frankreich.

Warum verschwinden Serien nach einer gewissen Zeit wieder aus dem Angebot?

Watchever ist kein Archiv. Das ist nicht in unserem Interesse und nicht im Interesse der Lizenzgeber. Unsere Angebote sind zeitlich begrenzt und werden dann durch neue, attraktive Inhalte ersetzt.

Amazon hat nun den Preiskampf eröffnet, der CEO von Sky sagte jüngst zum Start des VoD Angebots von Sky, man könne im deutschen Markt die Grenze von 10 Euro im Monat als Abo-Preis nicht überschreiten. Wie sehen Sie das?

Da hat Brian Sullivan sicher recht, das sehen wir ebenso.

Wie sehen Sie, auch mit Blick auf Ihre Erfahrung in der Musikindustrie, die Gefahren durch die  illegalen Angebote im Netz?

Diese Angebote können wir natürlich nicht ignorieren, sie sind vorhanden. Aber deren technische Möglichkeiten sind begrenzt, man kann sie bei weitem nicht auf allen Plattformen nutzen, sie sind in ihrer Verbreitung dadurch deutlich eingeschränkt. Aber wir haben das natürlich im Blick.

Geben Sie uns einen kurzen Ausblick auf die Zukunft von Video on Demand  und wie groß sind Ihre Bedenken hinsichtlich der Ideen der Telekom, die Internetleistung ihrer Kunden zu drosseln.

Video on Demand, vor allem Subscription Video on Demand, ist ein absoluter Wachstumsmarkt, der Zuschauer wird sich in Zukunft immer weniger vorschreiben lassen wollen, was er sehen darf und vor allem, wann er es sehen darf. Und was die Drosselpläne betrifft: niemand kann langfristig ein Geschäft gegen die Interessen seiner Kunden machen, auch die Telekom nicht.

Vielen Dank für dieses Gespräch, Herr Schulz.

Schreibe einen Kommentar