Glutenfrei ernähren – ist das sinnvoll?

Der Feind in meinem Bauch – Glutenfrei ernähren?

3Sat Doku am 09.Oktober 2014 um 20.15 Uhr

Glutenfrei ernähren? Der Feind in meinem Bauch: Gluten, Laktose, Histamin - in unseren Lebensmitteln stecken Bestandteile, von denen zahlreiche Menschen denken, dass sie ihnen Probleme bereiten. ©ZDF und Ion Cassado; ECO Media TV Produktion GmbH

Glutenfrei ernähren? Der Feind in meinem Bauch: Gluten, Laktose, Histamin – in unseren Lebensmitteln stecken Bestandteile, von denen zahlreiche Menschen denken, dass sie ihnen Probleme bereiten. ©ZDF und Ion Cassado; ECO Media TV Produktion GmbH

Die Begriffe glutenfreoder laktosefrei sind für viele Menschen inzwischen ein Heilsversprechen für individuelles Wohlbefinden geworden, für die Industrie dadurch aber auch ein lukratives Geschäft. Derzeit gibt es in deutschen Supermarktregalen rund 300 laktosefreie Produkte, dazu reihenweise solche mit dem Etikett glutenfrei –  und ihr Umsatz steigt stetig an.

Nahrungsmittelunverträglichkeiten sind ein großes Thema. Das geht so weit, dass Lebensmittel, die von Natur aus keine Laktose enthalten, wie Schinken oder lange gereifter Hartkäse, das Label „laktosefrei“ tragen und dadurch hochwertiger erscheinen. Natürlich gibt es Allergien gegen Lebensmittelbestandteile und sie können lebensgefährlich sein. Doch die Zahl der Konsumenten von Spezialnahrungsmitteln steht in krassem Missverhältnis zur Zahl der wirklich Kranken.

Die 3sat-Wissenschaftsdokumentation „Der Feind in meinem Bauch“ von Carsten Binsack fragt, ob hinter der rasanten Zunahme von Nahrungsmittelunverträglichkeit mehr steckt als Hypochondrie, und warum viele Deutsche ihr Essen als potentielle Gefahr sehen. In Amerika geben fast 30 Prozent der Erwachsenen an, dass sie weitgehend glutenfrei essen und  kaum noch oder gar kein Gluten mehr verzehren. Sie meiden Back- und Teigwaren aus Weizenmehl, aber auch andere Lebensmittel, die Weizen in welcher Form auch immer enthalten.

Doch nur 0,1 bis ein Prozent der Bevölkerung leidet an Zöliakie, einer unangenehmen Autoimmunkrankheit, die zu einer chronischen Entzündung im Dünndarm führt, sobald Gluten mit der Nahrung aufgenommen wird. Häufiger tritt eine eine Weizensensitivität auf. Detlef Schuppan und sein Team von der Universitätsklinik Mainz haben festgestellt, dass ein Insekten-Abwehrstoff in moderne Weizen-Hochleistungssorten hinein gezüchtet wurde, um das Getreide resistenter gegen Schädlinge zu machen. Die Forscher gehen davon aus, dass dieser Insekten-Abwehrstoff für viele Symptome der Weizensensitivität verantwortlich ist. Ob ein Nahrungsmittel also glutenfrei ist, spielt hier eine geringe Rolle.

Eine Nahrungsmittelunverträglichkeit zuverlässig zu diagnostizieren, ist nicht einfach. Die Antikörperbestimmung im Blut durch einen sogenannten IgG-Test soll gezielt diejenigen Lebensmittel ausfindig machen, die im Einzelfall unverträglich sind. Doch Allergieexperten stufen diese Tests als ungeeignet zur Diagnose von Nahrungsmittelunverträglichkeiten ein und warnen vor falschen Rückschlüssen aus den Testergebnissen. Gefährlich: oft wird geraten, viele Lebensmittel wegzulassen, was zwangsläufig zu einer Mangelernährung führt.