„Die Arier“ – Mo Asumang und die Rassisten

„Die Arier“- ein Film von Mo Asumang

ARTE Dienstag, 29. April 2014, um 22.10 Uhr – ZDF Montag, 5. Mai 2014, um 23.55 Uhr 

Ku-Klux-Klan-Mitglied und Mo Asumang © ZDF /Yoliswa von Dallwitz

Ist das Caspar der Geist? Ku-Klux-Klan-Mitglied und Mo Asumang
©ZDF /Yoliswa von Dallwitz

Mo Asumang stellt in diesem wunderbaren Film einfache Fragen: wer sind eigentlich diese Arier? Wo kommen die her? Warum gehöre ich nach Ansicht einiger Gruppen nicht dazu? Mit einer zu Beginn des Films zunächst ein wenig befremdlich wirkenden Naivität begibt sich die Filmemacherin auf Spurensuche. 

Sie geht auf eine Reise durch die unwirklich-absonderlichen Welten der Rassisten und besucht deutsche Rechtsradikale, Premium-Spinner, rückständig-karnevalesk verkleidete Burschenschaftler-Buben, NPD-Kader, Ku-Klux-Klan-Geheimbündler und führende US-Rassisten und sie versucht mit diesen zum Teil gespenstischen Typen ins Gespräch zu kommen.

Aber auch der deutsche Mitbürger auf der Straße kommt nicht an Mos Frage vorbei „Was oder wer sind eigentlich diese Arier“? Der ganze Film wird von dieser Fragestellung begleitet – und sie wird auch aufgelöst! Mo Asumang geht ihr mit zum Teil herrlichen Off-Ton Kommentaren nach, für die alleine es sich schon lohnt, diesen Film anzuschauen.

Lustig, unwirklich, bedrückend – „Die Arier“ zeigt eine Wirklichkeit fern des gesunden Menschenverstandes

Dr. Axel Stoll (Verschwörungstheoretiker -"Muss man wissen"") und Mo Asumang  ©ZDF / Susanna Salonen

Dr. Axel Stoll (Verschwörungstheoretiker -„Muss man wissen““) und Mo Asumang
©ZDF / Susanna Salonen

Da können einem dann schon mal vor Lachen die Tränen kommen, wenn ein korrekt frisierter Mitünfziger sich sicher ist, Arier zu sein, denn schließlich habe „sein Vater ja 1941 einen Ariernachweis erhalten“ ohne den dieser seine Lehre nicht hätte beginnen können.

In die Rubrik „Kurioses und Abstruses“ fällt ein Besuch bei der Web-Ikone „Dr.“ Axel Stoll, einem Verschwörungstheoretiker der braun-esoterischen Szene, der durch seine YouTube-Videos, unter anderem zu den „Reichsflugscheiben“ und mit seinen bahnbrechenden „wissenschaftlichen“ Erkenntnissen wie „Die Sonne ist kalt. Muss man wissen“ bereits ungewollt einigen satirischen Ruhm im Netz erlangte.

Erschreckend wird es, wenn Mo Asumang sich bei einem Burschenschafts-Treffen umschaut. Junge Männer mit Karnevalshütchen auf dem studentischen Kopf, nationalistischem Liedgut auf den Lippen und Bierkrügen in der Hand drucksen bei der Frage herum, was denn nun eigentlich die Begriffe „deutsch“ und „Vaterland“ bedeuten – eine Antwort wollen sie einer afrodeutschen Filmemacherin offenbar vor der Kamera nicht geben.

Ein paar der „Alten Herren“ stammeln dann Erklärungsversuche – es gruselt einem bei dem Gedanken, dass man hier die aktuelle und kommende „Elite“ des Landes sieht und es fallen dem Betrachter spontan stattdessen ganz andere Begriffe für diese Herren ein. Sehr aufschlussreich sind dazu die Ausführungen von Christian Becker von der Initiative „“Burschenschafter gegen Rechtsextremismus“, der im Gespräch mit Mo Asumang ein wenig an den jungen Bill Murray erinnert.

Wer „Die Arier“ verpasst hat: einfach auf diesen Link klicken und den Film in der ARTE-Mediathek anschauen (nur begrenzte Zeit verfügbar)

Absonderlich sind die Begegnungen mit geschäftstüchtigen Rassisten in den USA und das nächtliche Treffen mit Ku-Klux-Klan Mitgliedern in einem Maisfeld. Richtig ekelhaft und abstoßend wird es mit deutschen Rechtsradikalen, deren ganze Dummheit, Stumpfheit und Rohheit sich in den Momenten zeigt, in denen Mo Asumang mit der ihr eigenen herzlichen, unaufgesetzten Freundlichkeit das Gespräch mit den selbsternannten „Rettern der Nation“ sucht.

Dieser Film hat alles, was eine wirklich rundum gelungene Dokumentation braucht. Er ist äußerst unterhaltsam, stellenweise richtig lustig, aber auch sehr bedrückend und ab und an regelrecht erschreckend. Er ist aber auch einfühlsam und bewegend inszeniert und er hat eine Botschaft. „Die Arier“ ist tatsächlich so sehr gut und gelungen, dass er nicht nur jedem Schüler sondern jedem Bürger dieses Landes gezeigt werden sollte, denn kein vernunftbegabtes, fühlendes menschliches Wesen kann nach dem Anschauen dieses Films noch ernsthaft den Wunsch verspüren, so sein zu wollen wie all jene, denen Mo Asumang den Spiegel vorhält.

„Muss man gesehen haben“: Mo Asumangs Film „Die Arier“ unbedingt anschauen.

Ahnenpass als "Arier-Nachweis" im Nationalsozialismus  ©ZDF / A. Gheorghiu

Ahnenpass als „Arier-Nachweis“ im Nationalsozialismus ©ZDF / A. Gheorghiu

Ausdrücklich zu loben sind das ZDF und dessen Redaktion des Kleinen Fernsehspiels, ARTE, die Filmförderung Hamburg  -Schleswig-Holstein und Nordmedia, die durch ihre Förderung die Produktion dieses Films ermöglichten. Wobei es doch sehr bedauerlich ist, dass sich das ZDF nicht entschließen konnten „Die Arier“ trotz der Zuordnung zum Kleinen Fernsehspiel auf einen früheren Sendeplatz als 23.55 Uhr zu legen.  Mo Asumang hätte für diese Arbeit die Prime Time verdient. Denn nicht umsonst wurde „Die Arier“  am 06. April 2014. auf dem „Phoenix Film Festival“ in Arizona gleich mit zwei Preisen ausgezeichnet, dem „World Cinema Best Documentary“- Award und dem  „World Cinema Audience“ Award.  

 

4 Bemerkungen über “„Die Arier“ – Mo Asumang und die Rassisten

  1. Ich habe keinen Fernseher. Aber ich hoffe sehr, dass man den Film auch mal über Internet anschauen kann. Ich habe mir schon immer gewünscht, dass eine intelligente Frau, mit dem kritischen Blick von draußen, unsere leider noch immer zu große Minderheit der selbsternannten stolzen Arier dokumentiert.

    • Hallo Inge, der Film wird jeweils sieben Tage nach seiner Ausstrahlung sowohl bei ART+7 wie auch beim ZDF in deren Mediatheken online abrufbar sein, wenn es soweit ist, werden die entsprechenden Links im Artikel ergänzt.

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