Der Rassist in uns – Sozial-Experiment ZDFneo

Sozial-Experiment: Der Rassist in uns

Donnerstag, 10. Juli 2014, 22.15 Uhr auf ZDFneo

Moderator Amiaz Habtu ©ZDF/Sandra Hoever

Moderator Amiaz Habtu ©ZDF/Sandra Hoever

Update: Am 26. April begannen in Hamburg die Dreharbeiten für die experimentelle ZDFneo Dokumentation „Der Rassist in uns“. Neununddreißig Protagonisten wurden zunächst bei Drehbeginn nach Merkmalen und Kriterien eingeteilt wie „blaue Augen – braune Augen“ und im anschließenden Selbstversuch unterschiedlich behandelt. Der Rassist in uns macht die Wirkweisen von Rassismus deutlich und zeigt auf, wie Rassismus funktioniert. Wie fühlt es sich für Menschen an, die diskriminiert, herabgewürdigt und verunsichert werden? Wie schnell lässt man sich von der Idee vereinnahmen man gehöre der klügeren und besseren Gruppe von Menschen an?

Das Museum für Arbeit in Hamburg ist Schauplatz eines ungewöhnlichen Workshops. 39 Menschen haben sich bereit erklärt, daran teilzunehmen ohne genau zu wissen, was sie erwartet. In einem vierstündigen Anti-Rassismus-Training werden sie am eigenen Leib erfahren, was es heißt, diskriminiert zu werden. Zu Beginn werden die Teilnehmer anhand ihrer Augenfarbe aufgeteilt: in die Gruppe der Braunäugigen und die der Blauäugigen. Die Blauäugigen werden ab sofort abwertend behandelt und mit negativen Eigenschaften belegt. Währenddessen werden die Braunäugigen vom Workshop-Leiter Jürgen Schlicher um Kooperation gebeten. Sie sollen den Blauäugigen mit Verachtung begegnen, sollen höchstens über sie, nie jedoch mit ihnen lachen. Von nun an werden die Blauäugigen von allen Seiten gedemütigt. Sie werden einfachen schriftlichen Tests unterworfen, die sie aufgrund der erzeugten Stress-Situation und willkürlicher Regeln kaum bewältigen können. Widerspruch und Aufbegehren werden vom Workshop-Leiter durch unbarmherzig autoritäres Auftreten sofort unterbunden. Ziel ist es, den Teilnehmern zu vermitteln, mit welchen Gefühlen Menschen ihr Leben lang zu kämpfen haben, die wegen ihrer Hautfarbe, ihrer Herkunft, ihrer Religion, ihrer sexuellen Neigung oder ihres Geschlechts benachteiligt werden. Der Gruppe der Braunäugigen wird dagegen bewusst gemacht, wie stark das Gefühl der Überlegenheit und der Macht verunsichern kann. Und sie erfahren: Schon vermiedene Solidarität trägt zur Diskriminierung anderer bei. Während des gesamten Workshops verfolgen die Sozialpsychologin Prof. Dr. Juliane Degner und der Sozialpädagoge Prof. Dr. Mark Schrödter zusammen mit Moderator Amiaz Habtu das Geschehen an Monitoren in einem Nebenraum. Sie kommentieren das Verhalten der Teilnehmer, zeigen die Mechanismen der Diskriminierung auf und machen deutlich, in welchen Situationen diese Tag für Tag in Deutschland spürbar ist.

Der Workshop, der seit Ende der 60er Jahre weltweit in zahlreichen Seminaren mit den verschiedensten Personenkreisen, mit Studenten, mit Berufstätigen, mit Feuerwehrleuten, mit Bankangestellten oder in Schulen, vornehmlich in den USA aber auch in anderen Ländern durchgeführt wurde basiert auf einer Idee der amerikanischen Lehrerin Jane Elliott. 1968, kurz nach der Ermordung von Martin Luther King, wollte die Pädagogin ihren Schülern demonstrieren, wie es sich anfühlt, einer herabgewürdigten Gruppe von Menschen anzugehören.

Beim Dreh des Workshops "Der Rassist in uns" in Hamburg ©ZDF/Sandra Hoever

Beim Dreh des Workshops „Der Rassist in uns“ in Hamburg
©ZDF/Sandra Hoever

Das Anti-Rassismus Training während des Drehs von „Der Rassist in uns“ führte der Duisburger Jürgen Schlicher durch, der von Jane Elliott persönlich ausgebildet wurde. In der TV Dokumentation Der Rassist in uns werden die Entwicklungen während des Workshops von Psychologen kommentiert. Sie beobachten das Geschehen und ordnen das Verhalten der Teilnehmer für den Zuschauer verständlich und nachvollziehbar ein. Im Anschluss findet der Austausch im Gespräch über die durchlebten Emotionen statt. In einer Diskussionsrunde erzählen die Teilnehmer, wie sie sich in ihren Rollen gefühlt haben, welche Erfahrungen sie gesammelt haben, und sie bekommen Ratschläge, wie sie künftig Diskriminierung im Alltag entgegentreten und entgegenwirken können.

Schon 1996 wurden die Workshops von Jane Elliott in dem Dokumentarfilm Blauäugig(Originaltitel: Blue Eyed)von Bertram Verhaag vorgestellt. Der Film berichtete darüber, wie sie in diesen Workshops den Teilnehmern anschaulich und unmittelbar die Lebenserfahrungen von diskriminierten Minderheiten wie Schwarzen, Gehandicapten, Schwulen, Migranten und anderen gesellschaftlichen Gruppen vermittelt wurden. Produziert wird die Neuauflage unter dem Namen „Der Rassist in uns“ von der Hamburger Produktionsfirma Doclights (Produzentin Michaela Hummel).  ZDFneo zeigt das Format, das von Amiaz Habtu moderiert wird, im Juli 2014.