Reus und Brazzo: zwei schwere Ausfälle

Marco Reus mit Bänderriss, Brazzo mit Gesprächsriss

Die Serienhai  WM – Glosse

Hassan "Brazzo" Salihamidzic und Oliver Kahn bei der ZDF Pressekonferenz zur WM 2014 in Brasilien am 3. April 2014 in Hamburg ©ZDF und Jan Haeselich

Hassan „Brazzo“ Salihamidzic und Oliver Kahn bei der ZDF Pressekonferenz zur WM 2014 in Brasilien am 3. April 2014 in Hamburg
©ZDF und Jan Haeselich

Marco Reuss wird sich denken: „Das hat man nun von Testländerspielen“. Die sportlichen Erkenntnisse bei solchen Tests wie dem gegen Armenien (6:1) halten sich ja bekanntermaßen in Grenzen, aber ein Schlüsselspieler verletzt sich schwer. Das ist richtig übel, für den Spieler und für die Mannschaft, aber es war aus Sicht des Zuschauers nicht der einzige schlimme Ausfall des Abends. Für den anderen war nicht Marco Reus (dem der Serienhai an dieser Stelle alles erdenklich Gute wünscht) verantwortlich sondern Hasan „Brazzo“ Salihamidžić.

Nette und sympathische Jungs sind ohne Zweifel beide, Marco Reus und „Brazzo“ Salihamidžić. Aber es gibt einen entscheidenden Unterschied: Reus macht nach wie vor was er besten kann: Fußball spielen. Brazzo hingegen tut inzwischen etwas, das er gar nicht kann: moderieren und interviewen. Staunend verfolgte der geneigte Zuschauer das Treffen zwischen dem Ex – Spieler des FC Bayern und dem früheren Kapitän der deutschen Nationalmannschaft (und ebenfalls Ex-Bayern Star), Michael Ballack. Da wurde viel gelacht, aber leider nicht nur, es wurde auch der Versuch gemacht, miteinander zu sprechen. Abgesehen davon, dass dieses Treffen für den TV-Zuschauer restlos frei von irgendwelcher Information blieb, waren die Bemühungen der beiden früheren Spitzenspieler, so etwas wie ein vernünftiges Gespräch hinzukriegen leider nicht von Erfolg gekrönt. Das ZDF versuchte, dieses Manko mit schrägen, schnellen und irritierenden Schnittfolgen auszugleichen. Das war immerhin lustig anzuschauen.

Jeden Augenblick erwartete man, dass Oliver Kalkofe auf der Mattscheibe erscheint und dem Zuschauer signalisiert „War alles nur ein Gag“. Oder Michael Ballack tatsächlich derjenige ist, der den Zuschauer als Co-Kommentator nach Brasilien begleitet, denn „El Capitano“ kam außerordentlich kompetent und telegen rüber. Aber nein, es wird Brazzo sein. Wie gesagt, auch er ist durchaus sympathisch. Allerdings scheint er weder zu wissen, was er sagen oder fragen soll noch, wie er das insgesamt so anstellen soll, das Fragen. Insgesamt keine ideale Voraussetzung für einen Job im Fernsehen, außer man heißt Maren Gilzer (Anmerkung für die jüngeren Leser, Maren Gilzer drehte in der Sendung „Glücksrad“ schweigend die Buchstaben um, was auch gut so war).

Was sind also die Erkenntnisse dieses armenischen TV-Abends mit der deutschen Nationalmannschaft?  Jogi Löw wird vermutlich auf einen seiner schnellsten Spieler, Marco Reus, verzichten müssen, was ein echter Rückschlag ist. Lukas Podolski ist vielleicht in der Form seines Lebens, auf jeden Fall aber in Top-WM Form. Oliver Kahn sollte bei seinen TV-Auftritten Jackets in seiner Größe tragen. Und das ZDF sollte seine Co-Moderatoren bei den Testaufnahmen auch mal sprechen lassen. Das würde verhindern, dass diese am Ende rüberkommen wie ein Marco Reus, wenn er vom Platz humpelt: bemitleidenswert. 

Der Serienhai begleitet das TV-Event des Jahres, die FIFA Fußball WM 2014 in Brasilien, mit einer regelmäßigen Glosse zu den Leistungen der Sender, Co-Kommentatoren und Sportjournalisten.