Schwerpunkt Sekte heute auf 3Sat

Heute 3Sat Schwerpunkt-Thema: Sekte, Sekten & Sektierer

Sekte: Über den Boom christlich-fundamentalistischer Kirchen und anderer religiöser Vereinigungen am 03. September ab 20.15 Uhr

Sekten - Der Kirchengründer Dag Heward-Mills während eines Heilungsgottesdienstes in Burkina Faso © ZDF und SRF

Sekten – Der Kirchengründer Dag Heward-Mills während eines Heilungsgottesdienstes in Burkina Faso
© ZDF und SRF

Sekte bzw. Sekten – sie machen Blinde gehend und Lahme sehend – mehr sind ihre Versprechen nicht wert. Sie sind gefährlich für den Einzelnen und die Gesellschaft.

Christlich-fundamentalistische Kirchen und andere religiöse Vereinigungen boomen. Ist man einmal Mitglied einer solchen Glaubensgemeinschaft, ist es äußerst schwer, sich daraus zu befreien. Denn ganz gezielt werden Abhängigkeiten geschaffen, seien sie mentaler, sozialer oder finanzieller Art.

Woher kommt dieses weltweite Interesse an Sekten, und welche Konsequenzen hat das für die Gesellschaft? Einen Abend lang beschäftigt sich 3Sat in Dokumentationen und einem Spielfilm mit religiösen Vereinigungen, Sekten und deren Strategien. Den Auftakt macht um 20.15 Uhr die Dokumentation „Der Kreuzzug“ von Andrea Müller und Adrian Zschokke.

Die beiden Autoren dokumentieren den Zulauf, den die neuen christlich-fundamentalistischen Sekten und Kirchen weltweit genießen. Dabei verbreiten die neuen christlichen Kirchen nicht nur ihren Glauben, sie greifen auch direkt in die Politik ein.Wie überall in der sogenannten „Dritten Welt“ boomen auch in Ghana vor allem neue christlich-fundamentalistische Kirchen: zum Beispiel die „Lighthouse Chapel International“. Ihr Gründer, Dag Heward-Mills, ist Halbschweizer. Seine Mutter war als junge Frau von der Schweiz nach London gezogen.

Dort verliebte sie sich in den Ghanaer Heward Mills und folgte ihm nach Accra. Der Nigerianer Sunday Adelaja hat in Minsk Journalismus studiert. Dort nahmen die Kommunisten an seiner Religiosität Anstoß. Daraufhin packte er seine Bibel, wanderte in die Ukraine aus, und begann dort, eine Kirche aufzubauen. Heute ist seine „Embassy of God“ eine der größten Kirchen Europas.

Doch die neuen christlichen Kirchen verbreiten nicht nur ihren Glauben, sie greifen auch direkt in die Politik ein. In Brasilien etwa, dem größten katholischen Land der Welt, werden bis in etwa zehn Jahren die Evangelikalen die Mehrheit bilden. Und bereits bei der letzten Präsidentenwahl mischten sie massiv mit. So musste Brasiliens Staatspräsidentin Dilma Rousseff ihre liberale Abtreibungspolitik revidieren, weil sie sich gegen die Anhänger der größten Freikirche Brasiliens nicht durchsetzen konnte.

Die Schweizer Gräfin mit Gigolo Helg S. © ZDF und SRF

Die Schweizer Gräfin mit Gigolo Helg S.
© ZDF und SRF

Um 21.05 Uhr widmet sich die Dokumentation „Verführt und Erpresst“ dem Fall Helg Sgarbi, der die BMW-Erbin Susanne Klatten verführt und erpresst hat. Vor Gericht nahm Sgarbi die Schuld auf sich, doch er handelte offenbar im Auftrag seines „spirituellen Führers“ Ernani Barretta und seinen Sekten – Mitgliedern. Der Schweizer Helg Sgarbi wurde in München zu sechs Jahren Haft verurteilt, doch eine Frage blieb offen: Wo stecken die sieben Millionen Euro von Susanne Klatten?

Aber das ist nur die Spitze des Eisbergs: Die damals 83-jährige Luzerner Gräfin Verena Du Pasquier beispielsweise war drauf und dran, den Hochstapler zu heiraten. Sie hatte bereits 25 Millionen Franken auf ein gemeinsames Konto überwiesen. Erst als sie von anderen Sgarbi-Opfern vor dem Sekten Mitglied gewarnt wurde, sah sie davon ab. Doch etwa vier Millionen hatte Sgarbi bereits abgesahnt. Die Dokumentation „Verführt und Erpresst“ deckt die Hintergründe des Falls Helg Sgarbi auf.

Im Oktober 1994 wurden hier 23 Sektenmitglieder tot aufgefunden ©ZDF und SRF, Kantonspolizei FR

Im Oktober 1994 wurden hier 23 Sektenmitglieder tot aufgefunden
©ZDF und SRF, Kantonspolizei FR

Um 22.00 Uhr rekonstruiert die Dokumentation „Das Sonnentempler-Drama“ von Felice Zenoni die Tragödie der Sonnentempler-Sekte um Jo di Mambro, die insgesamt 74 Menschen in den Tod gerissen hat. Die Geschichte beginnt Ende der 70er-Jahre in der Umgebung von Genf. Auf einem Landgut versammelt der gebürtige Franzose Jo di Mambro Menschen um sich, mit denen er die Sonnentempler-Sekte gründet. Vor allem in der Westschweiz findet der vorbestrafte Bijoutier Anhänger seines Gedankenguts.

Di Mambro prophezeit das baldige Ende der Welt. Seinen Glaubensbrüdern verspricht er den rechtzeitigen Transit auf den Stern Sirius, verbunden mit der dortigen Wiedergeburt. Bis in die 90er-Jahre wächst die Sekte auf über 500 Mitglieder an. Ableger bilden sich auch in Frankreich und Kanada. Zu den Gründungsmitgliedern zählt der international bekannte Schweizer Musiker und Dirigent Michel Tabachnik. Für ihn endet das Sonnentempler-Drama zweimal vor französischen Gerichten. Der Ausgang der Strafverfahren bleibt für ihn jedoch ohne Folgen.

Noch 2006 äußert er sich öffentlich über seine umstrittene Rolle innerhalb der Sekte. Heute zieht er es vor, ganz darüber zu schweigen. Die Dokumentation „Das Sonnentempler-Drama“ rekonstruiert die Tragödie der Sonnentempler von den Anfängen bis zum Ende. Insgesamt hat die Sekte 74 Menschen in den Tod gerissen. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie es überhaupt dazu kommen konnte. Von Sektenführer Jo di Mambro, der die Öffentlichkeit scheute, waren bis jetzt nur einige wenige Fotos bekannt. Erstmals ist auch ein Sektenvideo von Di Mambro beim Zelebrieren eines Rituals zu sehen

In dem schwedischen Krimi „Hakan Nesser: Moreno und das Schweigen“ um 22.45 Uhr findet Kommissarin Moreno (Eva Rexed) die entführte Katharina (Julia Högberg) tot auf – in ihrer Hand ein Kruzifix. Moreno erfährt, dass ihre Familie Sekten angehört .

Als letzten Beitrag zum 3sat thema folgt um 0.10 Uhr die Dokumentation „Cult Witness – Der Sekte entkommen“. Filmemacher Samuel Stefan war selbst zehn Jahre Mitglied einer Sekte, bevor er den Ausstieg schaffte. Gemeinsam mit seinem Co-Autor Nick Oakley legt er die Methoden offen, mit denen Sekten ihre Anhänger anwerben, manipulieren und brechen. Und er zeigt, wie schwierig und schmerzvoll der Befreiungsprozess aus den Fängen von Sekten  ist.