Finanzmacht Vatikan und das schmutzige Geld

Der Vatikan und das Geld

Die schmutzigen Geschäfte der katholischen Kirche, Doku von Andreas Sawall und Martina Schönfeld

Montag, 9. Juni 2014, 18:15 Uhr im ZDF

Der italienische Journalist Gianluigi Nuzzi veröffentlichte 2009 in seinem Buch "Die Vatikan AG" bis dahin geheime Dokumente über die Machenschaften der Vatikanbank. ©ZDF und Hans Jakobi

Der italienische Journalist Gianluigi Nuzzi veröffentlichte 2009 in seinem Buch „Die Vatikan AG“ bis dahin geheime Dokumente über die Machenschaften der Vatikanbank.
©ZDF und Hans Jakobi

Der Vatikan ist eine Finanz-Großmacht. Die katholische Kirche gehört zu den reichsten Institutionen der Welt, ihr Oberhaupt zu den größten Immobilienbesitzern und die eigene Bank in der Vergangenheit zu den undurchsichtigsten und korruptesten Banken der Welt   Doch mit Jorge Mario Bergoglio als neuem Oberhaupt scheint im Vatikan eine neue Zeit begonnen zu haben. Zu ersten Mal in der fast 2000-jährigen Geschichte der Kirche hat sich ein Papst einen Namenspatron ausgewählt, der für Armut, kompromisslose Ehrlichkeit und unbedingte Menschlichkeit steht: Franziskus. 

In den Archiven des Departements in Avignon (untergebracht in einer ehemaligen Kapelle des Papstpalastes), finden sich Dokumente die belegen, wie die Päpste Geld einnahmen - und es mit vollen Händen wieder ausgaben. ©ZDF und Martina Schoenfeld

In den Archiven des Departements in Avignon (untergebracht in einer ehemaligen Kapelle des Papstpalastes), finden sich Dokumente die belegen, wie die Päpste Geld einnahmen – und es mit vollen Händen wieder ausgaben.
©ZDF und Martina Schoenfeld

Mit Papst Franziskus ist eine Frage wieder in den Vordergrund getreten, die beinahe so alt ist wie die Kirche selbst: Darf die Kirche, dürfen der Papst, kirchliche Würdenträger und Organisationen überhaupt Reichtum und Besitz anhäufen? Und wie konnte es dazu kommen? Jesus, seine Jünger und die ersten Christen lehnten Geld und Besitz ab. Jesus verlangte sogar, wie uns in der Bibel überliefert ist, von denen, die ihm nachfolgen wollten, alles, was sie hatten, an die Armen zu verschenken. Eine der historischen Schlüsselstellen nimmt dabei Kaiser Konstantin ein, der in der so genannten Mailänder Vereinbarung (313 n. Chr.) die christlichen Gemeinden tolerierte und ihnen erlaubte, Besitz zu haben und zu vererben.

Wenige Jahrzehnte später sollte das Christentum zur Staatsreligion werden.  Die Päpste des Mittelalters und der Neuzeit benötigten für ihren Machterhalt viel Geld, das sie unter anderem durch ein ausgeklügeltes Steuer- und Abgabensystem sowie den Ablasshandel gewannen. Dagegen wandten sich nicht nur Luther, sondern auch schon Reformer der Kirche wie Franz von Assisi, der Namenspatron des jetzigen Papstes.

Der Vatikan hat eine große Tradition in schmutzigen Geschäften 

Spielszene: Damenbesuch am prachtvollen Hof von Papst Clemens VI. (1342 - 1352) in Avignon. ©ZDF und Alexander Hein

Spielszene: Damenbesuch am prachtvollen Hof von Papst Clemens VI. (1342 – 1352) in Avignon.
©ZDF und Alexander Hein

In der Dokumentation macht sich Petra Gerster auf die Suche und stellt jene großen Fragen, mit der die Kirche auch in der Vergangenheit immer wieder konfrontiert wurde. Das Dilemma zwischen einer ursprünglichen „Kirche der Armen“ und einer „Kirche der Habenden“ wird in spannenden Geschichten deutlich. Gedreht wurde an historischen Schauplätzen in Rom und Avignon. Es kommen führende Experten zu Wort, so der angesehene Kirchenhistoriker Prof. Dr. Hubert Wolf (Uni Münster), aber auch investigative Journalisten, die sich mit der Korruption und den Verbrechen rund um die Vatikanbank sowie den undurchsichtigen Immobiliengeschäften in Rom befasst haben.